Dienstag, 27. September 2022
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Salzreduktion: «Minister bringt Kulturgüter in Gefahr»

Berlin. (bll) Kritisch und mit großer Sorge betrachtet der Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft, Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), den vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vorgelegten Entwurf für eine «Nationale Strategie für die Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten»: «Kein Einziger wird dünner, wenn wir einzelne Produkte diskriminieren, weil wir sie willkürlich auf eine schwarze Reduktionsliste setzen. Was wir verlieren sind nicht Kilos, sondern Kulturgüter. Die Pläne des Ministers bedeuten das Aus für traditionelle Berliner Pfannkuchen zu Karneval oder die Salzbrezel im Biergarten», sagt BLL-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff zu den Vorhaben des BMEL. Die Vielfalt und Qualität, die sich zum Teil über Jahrhunderte entwickelt hat, würde so mit einem Handschlag zerstört, kommentiert er weiter.

Der derzeitige Entwurf ist in seinen Augen zurzeit nicht kabinettsreif: «Wie vom Bundestag im Juni 2015 beauftragt, muss jetzt eine Strategie entwickelt werden mit und nicht gegen die Wirtschaft. Die vorgeschlagenen Maßnahmen müssen auf ihre Sinnhaftigkeit und Praktikabilität geprüft werden», fordert der BLL-Hauptgeschäftsführer. Die Wirtschaft sei dialogbereit. Für Christoph Minhoff gibt es aber auch grundsätzlichen Diskussionsbedarf: «Wer ernsthaft das Problem von wachsendem Übergewicht in den Griff bekommen will, darf nicht einzelne Zutaten diskriminieren, sondern muss ein ganzheitliches Konzept entwickeln. Die vorliegende Strategie ist für mich ein Eingeständnis von Hilflosigkeit. Wir müssen jetzt an tragfähigen Lösungen arbeiten», erklärt Minhoff. Er verweist hier auf die Lebensmittelwirtschaft, die schon seit Jahren neben klassischen Produkten auch Produkte mit einem reduzierten Anteil an Zucker, Salz, Fett oder Kalorien anbietet. Damit habe jeder die Möglichkeit eine Auswahl zu treffen, die seinen individuellen Bedürfnissen und Vorlieben entspricht, um sich ausgewogen zu ernähren. Aus einer breiten Palette könne sich jeder so die gewünschte Zusammensetzung seines Joghurts, seiner Frühstücksflocken, seines Erfrischungsgetränkes, seiner Tiefkühlpizza oder Ähnliches auswählen.

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