Montag, 2. August 2021
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20160630-SILO

Schädlingsbekämpfungsmittel: Kleines Silo, kleine Dosis

Mannheim. (bgn) Bei der Insektizid- Behandlung ihres Mehlsilos können Bäcker einiges falsch machen: einen nicht zugelassenen Wirkstoff verwenden, in ein kleines Silo zu viel Wirkstoff sprühen und dabei ein Mittel mit brennbarem Treibgas benutzen. Alles das birgt Gefahren – vom Rechtsverstoß bis zur Explosionsgefahr, schreibt die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN).

Schädlinge im Betrieb möchte man schnell wieder loswerden. Auf der sicheren Seite ist, wer ihre Bekämpfung einem Profi überlässt. Führt man die Schädlingsbekämpfung in Eigenregie durch, darf dies nur gelegentlich und in geringem Umfang geschehen. Eine gewisse Sachkenntnis ist notwendig, wenn das Mehlsilo behandelt werden soll – besonders wenn es sich um ein kleines Silo handelt.

Der Wirkstoff

Die Frage, welche Schädlingsbekämpfungsmittel in Mehlsilos verwendet werden dürfen, ist schnell beantwortet: ausschließlich Produkte mit dem Wirkstoff Pyrethrum (auch Pyrethrine genannt). Nur sie sind als Vorratsschutzmittel in Lager- und Vorratsbehältern für pflanzliche Erzeugnisse zugelassen. Mehl gilt als Pflanzenerzeugnis.

Die Menge

Die für Mehlsilos zugelassenen Mittel werden üblicherweise per Sprühverfahren ausgebracht. Viele Sprühdosen haben eine feststellbare Düse zur automatischen Vernebelung. Bleibt die Frage nach der Menge.

Wie viel Insektizid in ein Silo eingebracht wird, hängt natürlich von dessen Größe ab. In ein kleines Silo gehört nur eine kleine Menge. Wird zu viel Wirkstoff hineingesprüht, schafft man sich unweigerlich ein neues Problem, nämlich Wirkstoff-Rückstände. Problematisch für Bäcker mit kleinen Silos ist ein weiterer Punkt: Alle genehmigten Pyrethrum-Produkte – es handelt sich um Sprühdosen mit 500 Milliliter aufwärts – sind für eine Behandlung von etwa 1.000 Kubikmeter großen Räumen und Behältern ausgelegt. Und viele von ihnen enthalten zudem ein entzündbares Treibmittel. Eine Anwendung dieser Mittel in einem kleinvolumigen Mehlsilo ist nicht vorgesehen und wäre in zweifacher Hinsicht kritisch. Zum einen wegen des bereits angesprochenen Rückstandsproblems, zum anderen wegen einer möglichen Explosionsgefahr.

Das Treibmittel

Bei einer großen Menge entzündbaren Treibmittels kann nämlich in einem kleinvolumigen Raum oder Behälter eine explosionsfähige Atmosphäre entstehen. Vor einigen Jahren verursachte ein Insektizid-Spray in einem 5,6 Kubikmeter großen Silo eine Explosion. Der Unternehmer einer Bäckerei wurde dabei schwer verletzt. Er hatte nahezu zwei 750-Milliliter-Sprühdosen Insektizid in dem kleinen Silo entleert. Das hochentzündliche Propan-Butan-Treibgas hatte im Siloinneren eine explosionsfähige Atmosphäre erzeugt. Sie wurde gezündet, als der Bäcker das Silo mit einem elektrischen Staubsauger reinigen wollte.

BGN-Beratung

Die BGN hat sich eingehend mit der Problematik der Insektizid-Behandlung von kleinen Silos befasst und bietet Unternehmern eine Beratung an. Dr. Jürgen Fauss vom BGN-Zentrallabor: «Dabei geht es in erster Linie darum, die Möglichkeiten zu erörtern. Beratungen zu konkreten Befalls-Situationen gehören selbstverständlich in die Hände professioneller Schädlingsbekämpfer».

Info

Wer Fragen zur Insektizid-Behandlung seines (kleinen) Mehlsilos hat, erhält antworten bei der Berufsgenossenschaft unter der Rufnummer 0621-4456-3627 oder per E-Mail an juergen.fauss@bgn.de (Foto: pixabay.com).