Freitag, 23. April 2021
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SlowBaking: 400 Bäcker bald ohne Qualitätsmerkmal?

Hamburg. (wib) In 2003 wurde der Verein «SlowBaking – Backen mit Zeit für Geschmack e.V.» gegründet, der sich die Förderung einer herausragenden Qualität handwerklich hergestellter Backwaren als oberstes Ziel gesetzt hat. Fast 400 qualitäts- und traditionsbewusste Handwerksbäcker aus ganz Deutschland, der Schweiz, Italien, Frankreich und Österreich haben sich dort seither zusammengeschlossen. Mit von der Partie war ein Fachverlag, der zudem die Markenrechte besaß.

In 2007 stellte sich der Verein neu auf – wohl auch weil er erkannt hatte, dass das mit dem Fachverlag keine so gute Idee war. Der Fachverlag wiederum hatte erkannt, dass sich mit den Idealen von Bäckern kaum Geld verdienen lässt, die mit altbewährten Methoden und unter Verzicht auf Vormischungen und industrielle Fertigprodukte Brot und Gebäck von hoher Güte und vorzüglichem Geschmack backen wollen.

Der Verein wandte sich der internationalen Slow Food Bewegung zu und führte im Oktober 2007 – in Abstimmung mit Slow Food – ein neues Logo ein: die Schnecke mit dem Steinbackofen. SlowBaking-Vorsitzender Ingo Rasche: «Wir haben uns als Verein neu aufgestellt und unabhängig gemacht. Unsere Vereinsmitglieder verkörpern Ideale im Sinne der Konsumenten. Endverbraucher sollen sich auch weiterhin auf die Qualitätsoffensive unseres Vereins verlassen können. Dafür müssen wir mit unserem Logo klar erkennbar sein».

Dezember 2007 sickerte langsam durch, dass der Fachverlag die SlowBaking-Markenrechte verkauft hat – an einen Backmittelhersteller. Damit hatte der Fachverlag seinen lang ersehnten Profit erzielt und der Backmittler hatte eine Marke, mit der sich zu gegebener Zeit was anfangen lässt.

Nun zieht der Backmittler die sprichwörtliche Schraube an und will dem Verein die Verwendung der Marke verbieten lassen. Der Verein wiederum will sich die Marke nicht streitig machen lassen. Ingo Rasche: «SlowBaking vermittelt seinen Mitgliedern intensiv das Wissen um traditionelle Herstellungsverfahren. 30 von ihnen haben sich bereits den umfassenden Prüfungen durch eine unabhängige Instanz zum Erwerb der Lizenzstufen I (Zertifizierung einzelner Produkte) und II (Vollzertifizierung des Betriebs) unterzogen. Zertifizierte Produkte oder Bäckereien dürfen das SlowBaking-Logo tragen. Wir hoffen, dass sich das nicht ändern wird und der Endverbraucher auch weiterhin erkennen kann, wer Backwaren nach SlowBaking-Kriterien herstellt».

Apropos Erkennbarkeit: Wäre es nicht sinnvoll, vollständig unter das Slow-Food-Dach zu ziehen? Könnte damit ein Rechtsstreit nicht umgangen werden? Wäre das mit der eindeutigen Identität nicht nur noch halb so schwer? Nein, sagt Rasche, dafür stünden vereinsrechtlich zu viele Details im Weg. Und ganz eine neue Marke? Doch was treibt jeden einzelnen der rund 400 im Verein organisierten Backbetriebe, wenn nicht «SlowBaking – Backen mit Zeit für Geschmack» …?

Abbildung

Info: Siehe auch Deutsches Patent- und Markenamt in München und das dazugehörende DPMA-Markenregister. Die interessanten Variablen für eine Datenbank-Abfrage lauten
302008012884 (Abfrage Aktenzeichen);
slow baker (Recherche Zeichen-/Markentext);
slow baking (Recherche Zeichen-/Markentext).