Samstag, 10. Dezember 2022
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20190330-STATISTIK

Statistik: Zahl der Regelinsolvenzen nimmt moderat zu

Wiesbaden. (destatis) Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen in Deutschland ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) im Oktober 2022 um 18,4 Prozent gegenüber September 2022 gestiegen. Im September 2022 war sie noch um 20,6 Prozent gegenüber August 2022 gesunken. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Verfahren erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik einfließen. Der tatsächliche Zeitpunkt des Insolvenzantrags liegt in vielen Fällen annähernd drei Monate davor. Die Statistik bildet nur Geschäftsaufgaben ab, die im Zuge eines Insolvenzverfahrens ablaufen, nicht jedoch solche aus anderen Gründen oder/und vor Eintritt akuter Zahlungsschwierigkeiten. Diese und weitere Hinweise sind bei der Betrachtung der Insolvenzstatistiken zu beachten.

Anmerkung der Redaktion: Außerdem zu beachten wäre, aus welcher Perspektive die Prozentzahlen festgelegt werden. Zum Beispiel unterschlägt «plus 18,4 Prozent» das niedrige Niveau, von dem aus sich die Zahlen entwickeln. Die Entwicklung sieht gleich ganz anders aus, erhält die Orientierungsgröße «Index 2015 = 100» die ihr zugedachte Aufmerksamkeit. Die Orientierungsgröße lädt jedenfalls nicht dazu ein, nach Gutdünken mit Prozentzahlen herumzufuchteln. Inflation ist ein sensibles Thema. Monatliche Veränderungen sollten sich strikt am Index orientieren und nirgendwo sonst. Anmerkung Ende.

20221112-DESTATIS

Index der Unternehmensinsolvenzen ändert sich geringfügig

Anmerkung der Redaktion: Tatsächlich heißt die originale Zwischenüberschrift hier: «11,5 Prozent mehr Unternehmensinsolvenzen im August 2022 im Vergleich zum August 2021». Das ist losgelöst von wichtigen Bezugspunkten dargestellt, denn: August 2021 erreichten die Unternehmensinsolvenzen (UnIns) 69,6 Punkte von 100 Punkten auf der amtlichen Index-Skala. 2022 erreichten die UnIns 72,8 Punkte von 100 Punkten auf der amtlichen Index-Skala. Die UnIns stiegen also nur um 3,3 Punkte auf der hinlänglich erwähnten Skala. Satte 11,5 Prozent steigen die UnIns nur, wenn das Statistische Bundesamt alle seine (eigenen …) Bezugsgrößen ignoriert und den August 2021 zur alleinigen Bezugsgröße erhebt. Anders herum: Zwar stiegen im Jahresvergleich die Unternehmensinsolvenzen um 3,3 Punkte, liegen damit aber immer noch -28,8 Punkte unter dem Index 100 von 2015. Anmerkung Ende.

Im August 2022 haben die deutschen Amtsgerichte nach endgültigen Ergebnissen 1’147 beantragte Unternehmensinsolvenzen (UnIns) gemeldet. Das waren 11,5 Prozent mehr als im August 2021. Im Juli war die Zahl der UnIns gegenüber dem Vorjahresmonat noch um 3,8 Prozent gesunken. Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus den im August 2022 gemeldeten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte auf rund 0,8 Milliarden Euro. Im August 2021 hatten sie bei rund 8,2 Milliarden Euro gelegen, da mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen insolvent wurden als im August 2022.

Baugewerbe mit den meisten Insolvenzen

Die meisten Unternehmensinsolvenzen gab es im August 2022 im Baugewerbe mit 198 Fällen (August 2021: 190 Verfahren oder 4,2 Prozent). Es folgte der Handel (inklusive Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) mit 167 Verfahren (August 2021: 141 Fälle oder 18,4 Prozent).

Im Jahresvergleich 6,9 Prozent weniger Verbraucherinsolvenzen

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist im August 2022 um 6,9 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat gesunken. Die Entwicklung der Verbraucherinsolvenzen ist seit Mitte 2020 im Zusammenhang mit einem Gesetz zur schrittweisen Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre zu betrachten. Die Neuregelung gilt für seit dem 1. Oktober 2020 beantragte Verbraucherinsolvenzverfahren. Sie ermöglicht den Betroffenen einen schnelleren wirtschaftlichen Neuanfang im Anschluss an ein Insolvenzverfahren. Daher ist davon auszugehen, dass viele überschuldete Privatpersonen ihren Insolvenzantrag zunächst zurückhielten, um von der Neuregelung zu profitieren. Dieser Nachholeffekt sorgte ab Anfang 2021 für einen starken Anstieg der Verbraucherinsolvenzen und scheint inzwischen beendet (Foto: pixabay.com – Grafik: Destatis).

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