Donnerstag, 29. September 2022
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20170907-TANKEN

Tanken bei Aldi: Des einen Freud, des anderen Leid

Hamburg. (usp) Die FE-Trading GmbH aus Anif bei Salzburg, ein Unternehmen des österreichischen Mineralölkonzerns OMV, betreibt im Alpenland knapp 80 «Diskont Tankstellen am Hofer Parkplatz». Die hatte der Mineralölkonzern übrigens erst Anfang 2016 zum Kauf angemeldet und Mitte 2016 dann übernommen. Insgesamt betreibt der OMV Konzern unter der Marke OMV rund 1.400 Tankstellen in neun europäischen Ländern, davon rund 350 Tankstellen in Österreich.

OMV Tankstellen bieten mehr als nur Kraftstoff. Zitat von der Homepage: OMV Tankstellen sind echte Service-Zentren und bieten zahlreiche Produkte und Dienstleistungen in Top-Qualität an: OMV MaxxMotion Performance Kraftstoffe, die VIVA Genusswelt, besten italienischen Kaffee in Fairtrade-Qualität, leckere Sandwiches und moderne Waschanlagen. Darüber hinaus bieten OMV Tankstellen einen Mehrwert mit einer breiten Palette an lokalen Dienstleistungen wie Paketannahmestellen, Lottoannahmestellen, Geldautomaten oder gratis WLAN.

Nun ist der Diskonter Hofer ein Tochterunternehmen der Unternehmensgruppe Aldi Süd. Die wiederum soll Gefallen an der Idee gefunden haben, ihren Kunden auf den bundesdeutschen Aldi-Süd-Parkplätzen einen ähnlichen Service zu bieten. Wobei nicht das beschriebene OMV-Spektrum zur Entfaltung käme, sondern «nur» die Diskont Tankautomaten der FE-Trading GmbH. Möglicherweise unter der Marke «Avanti» – kann man nur sagen, weil es eine offizielle Medienmitteilung aus diesem oder jenem Haus derzeit noch gar nicht gibt.

Geben tut es jedenfalls ein bundesdeutsches Tochterunternehmen des OMV-Konzerns: die OMV Deutschland GmbH mit Sitz in Burghausen, Landkreis Altötting, Bezirk Oberbayern. Deren Aktivitäten umfassen das Raffinerie-, Geschäftskunden- und Tankstellengeschäft. OMV Deutschland verfügt aktuell über rund 300 Tankstellen, davon mehr als 220 in Bayern. Dies entspricht dort einem Marktanteil von knapp zehn Prozent. Weitere Stationen befinden sich demnach in Baden-Württemberg und Hessen, heißt es auf omv.de. Es kommt also nicht von ungefähr, dass die ersten «Diskont Tankstellen am Aldi Süd Parkplatz» in den Regionen München, Nürnberg und Stuttgart entstehen sollen. Die Bauanträge für die zehn Pilotprojekte befänden sich in der Genehmigungsphase. Die ersten Tankautomaten könnten noch 2017 den Betrieb aufnehmen, soll FE-Trading Deutschland irgendwo bestätigt haben.

Des einen Freud, des anderen Leid

Während sich die meisten Verbraucher darauf freuen, neben ihrem Einkauf für die Woche künftig auch «mal eben kurz» am Automaten volltanken zu können – den Liter langfristig vermutlich rund zehn Cent unter Bundesdurchschnitt – möchten eingesessene Tankstellenbetreiber am liebsten auf die Barrikaden gehen. Doch Appelle an die Politik und Entscheidungsträger in den Rathäusern, regionale Unternehmen gewissermaßen unter Artenschutz zu stellen, scheinen nicht zu fruchten. Bürgermeister Josef Dollinger aus Moosburg bei Freising drückt das gegenüber tz München wie folgt aus: «Wenn es genehmigungsfähig ist, wird das Einvernehmen erteilt. Wir können hier keine Politik zum Schutz lokaler Firmen betreiben». Man habe über solche Anträge baurechtlich zu entscheiden und sonst nichts.

Bayerischer Bäckerverband massiv gegen Aldi-Tankstellen

Auch der Landesinnungsverband für das bayerische Bäckerhandwerk (LIV) ist wenig begeistert. Der LIV hat sich in einem Schreiben an die Bayerische Staatsregierung sogar massiv gegen die geplanten Aldi-Tankstellen ausgesprochen. Der Verband sieht hierin die Bestrebung, das geltende Ladenschlussrecht zu unterlaufen.

«Wir haben die Sorge», sagt Landesinnungsmeister Heinz Hoffmann, «dass dies der Einstieg in einen Rund-um-die-Uhr-Verkauf ist, durch den unsere Betriebe unter einen nicht zu bewältigenden Wettbewerbsdruck geraten». Der Verband weist in seinem Brief an die Staatsregierung darauf hin, dass Tankstellen nicht nur Kraftstoffe, Öl und andere das Fahrzeug direkt betreffende Produkte anbieten, sondern in zunehmendem Maße auch Handelswaren wie zum Beispiel Lebensmittel. Dabei handelt es sich nicht immer nur um zulässigerweise verkauften Reisebedarf, sondern mehr und mehr decken vielerorts die Bewohner der umliegenden Häuser zu später Stunde oder am Wochenende hier ihren Haushaltsbedarf. Das bayerische Bäckerhandwerk befürchtet, dass Aldi Mimikry betreibt und seine Discountmärkte chamäleonartig als Tankstellen tarnen will, um sie sieben Tage in der Woche während 24 Stunden zu öffnen. Entscheidend sei eine an den Tatsachen orientierte Definition des Begriffes Reisebedarf, fordert der Verband.

Das Prinzip von FE-Trading

Bevor noch weitere Bäckerverbände auf die Barrikaden gehen, empfehlen wir einen Blick auf die Hofer-Homepage. Auch wenn die FE-Trading GmbH seit 2016 ein Unternehmen der OMV AG ist, lassen sich dort immer noch Hinweise auf die frühe Zusammenarbeit finden. Eine aufzufindende Mitteilung lässt denn auch Rückschlüsse auf die Funktionsweise zu. Zitat: «Hochwertiger Sprit zu günstigen Preisen. Wie das möglich ist? «Zum einen durch die Selbstbedienungszapfsäulen, die uns Personalkosten sparen. Und zum anderen durch die unmittelbare Nähe zu den Hofer-Filialen, die uns ein hohes Kundenpotenzial erschließen», erklärt (der damalige) FE-Trading Geschäftsführer Markus Friesacher sein Erfolgsgeheimnis».

Kurzum: Wie bereits erwähnt, kommt das gesamte OMV-Service-Spektrum nicht zum Zug. Nur die «Avanti» Tankautomaten auf die Parkplätze. Für ein Mehr an Service, das an Tankstellen im üblichen Sinn Autofahrer zum Bleiben und zur Rast animiert, wäre auf den Aldi-Süd-Parkplätzen vermutlich auch kein Platz. Der Diskonter möchte, dass die Leute schnell kommen, schnell einkaufen und schnell wieder gehen können. Wenn sie dabei noch schnell tanken können, ist okay. Alles andere wäre zuviel (Foto: pixabay.com).

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