Dienstag, 18. Juni 2024
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Tarifbindung: 2022 im Schnitt bei 49 Prozent

Wiesbaden. (destatis) Knapp die Hälfte (gut 49 Prozent) der Beschäftigten in Deutschland waren 2022 in einem tarifgebundenen Betrieb beschäftigt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Branchen. Die höchste Tarifbindung gab es im Wirtschaftsabschnitt Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung mit 100 Prozent. Es folgten Energieversorgung (85 Prozent), Erziehung und Unterricht (82 Prozent) und Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (75 Prozent). Die Wirtschaftsabschnitte mit der geringsten Tarifbindung im Jahr 2022 waren Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (11 Prozent), Gastgewerbe (20 Prozent), Kunst, Unterhaltung und Erholung (21 Prozent) sowie Grundstücks- und Wohnungswesen (22 Prozent).

Wirtschaftsabschnitt (WZ – 2008) Tarifbindung 2022
( ) = Zahlenwert statistisch relativ unsicher
A-S Gesamtwirtschaft 49 %
A Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (11) %
I Gastgewerbe 20 %
R Kunst, Unterhaltung und Erholung 21 %
L Grundstücks- und Wohnungswesen 22 %
M Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen 25 %
J Information, Kommunikation 26 %
G Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen 29 %
S Sonstige Dienstleistungen 42 %
H Verkehr und Lagerei 44 %
F Baugewerbe 46 %
C Verarbeitendes Gewerbe 51 %
Q Gesundheits- und Sozialwesen 52 %
N Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen 59 %
B Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden 62 %
E Wasserversorgung; Entsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen 62 %
K Finanz- und Versicherungsdienstleistungen 75 %
P Erziehung und Unterricht 82 %
D Energieversorgung 85 %
O Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung 100 %

Tarifbindung im Handwerk bei 42 Prozent

Neben der grundsätzlichen Stärkung der Tarifbindung in der deutschen Wirtschaft formuliert die Bundesregierung explizit eine verbesserte Tarifbindung im Handwerk als Ziel im Koalitionsvertrag. Rund 42 Prozent aller Beschäftigten im Handwerk waren 2022 in einem tarifgebundenen Handwerksbetrieb beschäftigt. Was die Tarifbindung in diesen Betrieben angeht, gab es deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland: Während sie in Ostdeutschland nur 32 Prozent betrug, lag sie in Westdeutschland bei 43 Prozent.

Höchste Tarifbindung in Bremen, niedrigste in Berlin und Sachsen

Die niedrigsten Tarifbindungen wiesen Berlin und Sachsen mit jeweils 43 Prozent auf sowie Thüringen mit 45 Prozent. Die höchsten Tarifbindungen waren in Bremen (56 Prozent) und im Saarland (53 Prozent) zu verzeichnen.

Land Tarifbindung 2022
Deutschland 49 %
Berlin 43 %
Sachsen 43 %
Thüringen 45 %
Brandenburg 47 %
Mecklenburg-Vorpommern 47 %
Schleswig-Holstein 47 %
Bayern 49 %
Hamburg 49 %
Rheinland-Pfalz 50 %
Niedersachsen 50 %
Baden-Württemberg 50 %
Sachsen-Anhalt 51 %
Nordrhein-Westfalen 51 %
Hessen 51 %
Saarland 53 %
Bremen 56 %

Tarifbindung Deutschlands im europäischen Kontext

Auf europäischer Ebene stehen Ergebnisse zur Tarifbindung für das Berichtsjahr 2018 zur Verfügung. Mit 48 Prozent Tarifbindung rangiert Deutschland bei diesem Ranking auf Platz 18 und liegt damit deutlich unter der vom Europäischen Parlament anvisierten Zielmarke von 80 Prozent.

Tarifbindung in der Europäischen Union 2018

20230606-DESTATIS

Für Frankreich, Irland, Italien und Slowenien berechnete sich auf Basis der von Eurostat veröffentlichten Ergebnisse von 2018 eine Tarifbindung von 100 Prozent, gefolgt von Finnland (96 Prozent), Österreich, Rumänien (jeweils 94 Prozent) und Griechenland (93 Prozent). Für Estland und Ungarn wurde mit 8 beziehungsweise 18 Prozent die geringste Tarifbindung ermittelt.