Samstag, 10. Dezember 2022
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Türkei: Süßwarenhersteller produzieren mehr Schokolade

Istanbul / TR. (gtai) Vielleicht liegt es an der beruhigenden Wirkung von kakaohaltigen Süßigkeiten: Wenige Branchen sind in der Krise der Jahreswende 2008/2009 so optimistisch wie die türkischen Hersteller von Schokolade, Pralinen und Schokoriegeln. Demonstrativ bestätigen die Firmen des Sektors ihre Investitionspläne und unterstreichen, dass sie langfristig denken. In den letzten Jahren waren einzelne türkische Süßwarenhersteller so erfolgreich, dass sie durch Zukauf von ausländischen Wettbewerbern nun auch international expandieren – berichtet Germany Trade and Invest.

In großer Einigkeit äußern sich Vertreter der großen Schokoladenhersteller der Türkei bezüglich der Aussichten ihrer Branche: Trotz der Wirtschaftskrise rechnen sie mit einem weiteren Wachstum des Marktes. Etwa eine Milliarde Türkische Neue Lira werden jährlich auf dem türkischen Markt für Schokolade umgesetzt (1,00 EUR = 2,10 TRY). Jedes Jahr nimmt der Verkauf durchschnittlich um acht Prozent zu. Ungefähr 500 verschiedene Produkte stehen den Kunden zur Wahl, wobei die Anbieter ständig mit neuen Varianten die Aufmerksamkeit der Konsumenten suchen. Die größten Hersteller Ülker, Sölen, Eti, Cadbury Kent und Kraft teilen den Markt weitgehend unter sich auf, allein der Nahrungsmittelkonzern Ülker verkauft etwa die Hälfte der in der Türkei verzehrten Schokolade.

Die Unternehmensstruktur in der türkischen Süßwarenherstellung insgesamt ist sehr heterogen. Kleinstfirmen mit einem bis zehn Mitarbeitern agieren auf dem Markt ebenso wie große Nahrungsmittelkonzerne. Bei der Produktion der traditionellen türkischen Süßigkeiten wie Lokum, Helva oder zum Kauen und Lutschen verarbeiteter Zuckerwaren dominieren die Kleinbetriebe. Schokolade, andere kakaohaltige Süßigkeiten sowie Kaugummi werden meist in größeren Fabriken mit 50 oder mehr Angestellten gefertigt. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Schokolade liegt in der Türkei mit 1,5 bis 2,0 Kilogramm noch weit unter den in einigen europäischen Ländern erreichten acht bis elf Kilos per Anno. Schon in fünf Jahren, so hoffen Branchenvertreter, soll sich dieser Wert verdoppelt haben.

Die jährliche Produktionskapazität für zuckerbasierte Süßwaren bezifferte Semsi Kopuz, Vorsitzender des Fachverbandes SEMAD (Sekerli Mamul Sanayicileri Dernegi) gegenüber der türkischen Wirtschaftszeitung Dünya auf etwa 225.000 Tonnen, hinzu käme noch einmal eine vergleichbare Menge an Schokoladenprodukten. Etwa ein Drittel des Inlandsabsatzes entfalle auf die beiden großen Bayram-Feste zum Ende des Ramadan und zum Schlachtfest Kurban.

Das Unternehmen Sölen aus dem südostanatolischen Gaziantep ist nach eigenen Angaben mit einem Anteil von etwa 20 Prozent Marktführer bei Schokolade und Pralinen in Angebotsschachteln. Schon während der Krise von 2001 hat die Firma mit Expansion reagiert und ihre Exportpalette ausgebaut. Inzwischen verkauft Sölen seine Süßigkeiten in 120 Ländern und hat 2008 etwa 140 Millionen US-Dollar im Ausland eingenommen. Zu den Kunden gehören Einzelhandelsketten wie Wal-Mart, Tesco oder Norma. In Istanbul entstand gerade für 90 Millionen US-Dollar eine dritte Fertigungsstätte, die im Dezember 2008 die Produktion aufgenommen hat.

Auch kleinere Wettbewerber wie die Firma Cagla Cikolata aus Kocaeli erweitern ihre Kapazitäten. Mit der Eröffnung einer zweiten Fabrik im benachbarten Adapazari noch 2009 will Cagla seinen Ausstoß um 35 Prozent steigern und seinem Angebot neue Sorten hinzufügen. Sogar verdoppeln will Tayas Cikolata seine Fertigungskapazität durch den Bau neuer Anlagen in Gebze und Düzce bis 2010. Das Unternehmen exportiert rund 80 Prozent seiner Produktion in etwa 100 Länder, darunter in anspruchsvolle Märkte wie Japan, wie Direktor Kazim Tayci gegenüber der Presse nicht ohne Stolz erwähnte.

Der zur Yildiz Holding gehörende Marktführer Ülker hatte im Dezember 2007 Schlagzeilen gemacht, als das Unternehmen den traditionsreichen belgischen Schokoladenhersteller Godiva einschließlich aller internationalen Beteiligungen, Fertigungsstätten, Marken und Patente übernommen hatte. Von der 850 Millionen US-Dollar-Investition verspricht sich der türkische Konzern vor allem besseren Zugang zu wichtigen Märkten in Europa und Nordamerika. Mit speziellen Godiva-Paketen zum Ramadan wurde 2008 aber auch die umgekehrte Vermarktungsrichtung genutzt.

Die größten Verkaufserfolge feiern die türkischen Süßwarenhersteller in Zentralasien und im arabischen Raum. Unter den Abnehmerländern von Schokolade und kakaohaltigen Süßigkeiten stand 2007 Irak mit 62,9 Millionen US-Dollar an erster Stelle, gefolgt von Algerien (28,7 Millionen US-Dollar), Libyen (13,4 Millionen US-Dollar), Kasachstan (12,7 Millionen US-Dollar), Rumänien (11,6 Millionen US-Dollar) und Kirgistan (10,7 Millionen US-Dollar). Auch bei den Zuckerwaren führt Irak mit 24,9 Millionen US-Dollar die Liste an, vor anderen arabischen und zentralasiatischen Ländern rangieren jedoch mit Großbritannien (19,0 Millionen US-Dollar), Deutschland (16,4 Millionen US-Dollar), Rumänien (11,2 Millionen US-Dollar) und Bulgarien (10,4 Millionen US-Dollar) auch europäische Märkte unter den wichtigsten Kunden. Als Lieferländer stehen Polen, Italien, Deutschland, die Slowakei, die Niederlande und Belgien auf den ersten Plätzen, berichtet Germany Trade and Invest.

Türkischer Export von Süßigkeiten (Quelle: TÜIK)

Produkt 2006 2007
Menge (in Tonnen) Wert (in Millionen USD) Menge (in Tonnen) Wert (in Millionen USD)
Kaugummi 29.674 67,5 23.475 66,6
Zuckerwaren 40.945 91,3 54.700 125,4
Helva 5.495 11,7 7.206 17,9
Lokum 3.242 9,3 3.475 11,7
Kakaohaltige Zuckerwaren 6.316 13,9 5.970 19,8
Schokolade und andere kakaohaltige Süßigkeiten 105.445 241,7 136.135 324,6
Insgesamt 191.117 435,4 230.961 566,0

Türkischer Import von Süßigkeiten (Quelle: TÜIK)

Produkt 2006 2007
Menge (in Tonnen) Wert (in Millionen USD) Menge (in Tonnen) Wert (in Millionen USD)
Kaugummi 35 0,1 64 0,4
Zuckerwaren 237 0,7 211 0,7
Weiße Schokolade 351 1,2 316 1,4
Kakaohaltige Zuckerwaren 865 2,9 1.301 4,9
Schokolade und andere kakaohaltige Süßigkeiten 13.055 58,5 13.276 64,3
Insgesamt 14.543 63,5 15.168 71,7

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