Samstag, 31. Oktober 2020
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VDG: Covid-19 aus der Perspektive der Großbäckereien

Düsseldorf. (vdg) Das Geschäft mit Brot und Gebäck on Line ist für den Verband Deutscher Großbäckereien (VDG) noch kein großes Thema. Während der Hochphase der Covid-19-Pandemie stieg der Marktanteil von on Line gekauften Lebensmitteln in Großbritannien auf 12,4 Prozent (2019: 8,1 Prozent), in Frankreich auf 10,2 Prozent (2019: 6,0 Prozent), in den USA auf 6,6 Prozent (2019: 5,1 Prozent) und in Italien auf 4,3 Prozent (2019: 2,0 Prozent). In Deutschland blieb dieser Wert niedrig, wenngleich er – auf geringem Niveau – von 1,5 auf sagenhafte 2,9 Prozent schoss. Soviel zur Einleitung, die auf den ersten Blick nur wenig mit dem Verband Deutscher Großbäckereien und seiner Jahrespressekonferenz 2020 zu tun hat.

Auf den zweiten Blick ist festzustellen, dass sich Umbrüche leise aber bestimmt andeuten. Selbst wenn sich die nur allmählich vollziehen, sind sie nicht zu ignorieren. Neben Händewaschen, Abstand halten sowie Mund-Nasen-Schutz tragen haben wir in den letzten Monaten auch das Wort «Resilienz» verinnerlicht – nicht selten in einem Atemzug mit «Multichannel», der Verzahnung von Online- und Offline-Geschäftsmodellen. Hier gibt es noch viel zu tun im Segment Backwaren.

Darüber hinaus hat Deutschland das Covid-19-Management gut im Griff. Das schlägt sich wiederum positiv auf die Volkswirtschaft nieder. Nach der Hochphase der Pandemie im April folgte der Tiefpunkt der Rezession mit minus 9,7 Prozent im Mai. In der jüngsten Projektion kommt Deutschland für das Gesamtjahr 2020 preisbereinigt auf einen BIP-Rückgang von minus 5,8 Prozent – und kann sich damit im internationalen Vergleich gut sehen lassen. Viele Indikatoren deuten auf eine rasche Erholung der Wirtschaft hin, sofern wir Bürger uns weiter an die Regeln halten und wachsam bleiben.

So wirkt Covid-19 auf die Großbetriebe in Deutschland

Insgesamt also ein nach wie vor dynamischer Hintergrund, vor dem VDG-Präsidentin Prof. Dr. Ulrike Detmers in Gütersloh die Welt der Großbäcker 2020 erklärte. Je nach Branchensegment, Konzernstruktur und strategischer Voraussicht zeigen sich hier ganz unterschiedliche Entwicklungen wie folgt:

  • Situation Lieferbetriebe: Die Leistungen der Gruppe der Backindustrie ist derzeit stark nachgefragt. Versorgungssicherheit und Vorratshaltung zu Hause sind seit dem Lockdown extrem wichtig geworden. Die hygienisch verpackten Brote und Backwaren, die über die Brotabteilung verkauft werden, befriedigen nach VDG-Angaben punktgenau die Bedürfnisse der Konsumenten in Corona-Zeiten. Produktsicherheit ist sehr wichtig geworden sowie das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Je länger um so besser aus Kundensicht.
  • Situation Großfilialisten: Die Gruppe der Großfilialisten hat durch den Lockdown deutliche Absatz- und Umsatzeinbrüche zu verzeichnen. Die Kundenfrequenz ging und geht zurück. Die Snack-Nachfrage brach ein. Für die Großfilialisten ist diese jedoch ein wichtiger Umsatz- und Ertragsbringer. Homeoffice, Online-Konferenzen, der Einbruch beim Food-Service belasten das Geschäft.
  • Umsatz- und Ertragseffekte: Die verhältnismäßig gute Geschäftslage der auf das Liefergeschäft spezialisierten Großbetriebe bringt dringend benötigte Erträge zum Investieren in die Ökologisierung der Geschäftsmodelle. In den Filialen müssen Kostenstrukturen auf den Prüfstand.
  • Ausblick auf künftige Veränderungen: Transparenz, Regionalität und Nachhaltigkeit boomen. Ein paar Beispiele des Change Managements sind das Etablieren von New-Work-Modellen für Work-Life-Balance mit Homeoffice, Video-Konferenzen und alternierenden Telearbeitszeiten. Grüne Verpackungsalternativen mit mehr biobasierten Verpackungsmaterialien fordern die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen heraus.
    Auf eine nicht auszuschließende zweite Corona-Welle wären die Großbetriebe und deren Belegschaften routinisiert vorbereitet. Die erste Corona-Welle wurde bewältigt mit Sonderschichten, Mehrarbeit, Neueinstellungen, Teamleistungen, smartem Engpass-Management der Backprozesse wegen erhöhter Produktionsmengen.
  • Post-Corona-Effekte: Die Vorratshaltung in den Haushalten hat einen neuen Stellenwert. Die Nachfrage nach Brot und Backwaren mit längerer Haltbarkeit steigt. Davon profitieren auch verpackte Aufbackwaren wie Toastbrote, Toastbrötchen, Wraps, Saatenbrote.

Die aktuelle Projektion aus dem Bundeswirtschaftsministerium geht davon aus, dass das Vor-Covid-19-Niveau des Bruttoinlandsprodukts zu Beginn des Jahres 2022 wieder erreicht ist. Es bleibt abzuwarten, wie Post-Corona- Bedingungen bis dahin die Branche beeinflussen. Insgesamt zeigt sich der Verband Deutscher Großbäckereien jedoch optimistisch. Entsprechend fällt die Einschätzung von VDG-Präsidentin Prof. Dr. Ulrike Detmers aus: «Meine Prognose lautet: Der Markanteil der Liefergroßbäckereien und Filialbäckereien liegt im Umfang von 70 Prozent des Branchenumsatzes. Der für 2018 mit 20,67 Milliarden Euro bezifferte Branchenumsatz bleibt stabil oder wächst leicht an» (Foto: pixabay.com).