Mittwoch, 7. Dezember 2022
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Verpackung: Mehrnutzen für Verbraucher und Hersteller

Frankfurt / Main. (dlg) Aktuelle technische Entwicklungen und Methoden bieten innovative Lösungen für das Verpacken von Lebensmitteln: Das war das Fazit des Fachforums Verpackung, das im Rahmen der Lebensmitteltage der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in Darmstadt stattfand. Über 70 Teilnehmer verfolgten die Fachvorträge und regen Diskussionen zu neuen Techniken beim Packmaterial, zu den Vorteilen von Schutzgasen für Handel und Verbraucher und zur sensorischen Qualitätssicherung des Packguts.

Nanopartikel für intelligente Verpackungen

Im Blickpunkt des ersten Referats stand eine hoch aktuelle Technologie: die Nanotechnik. Dr. Herbert Weber, Professor für Lebensmitteltechnologie und Verpackungstechnik an der Beuth-Hochschule für Technik Berlin, verwies auf den vielfältigen Einsatz nanoskaliger Komponenten im Lebensmittelbereich, sowohl im Lebensmittel selbst – etwa bei Functional Food – als auch bei Analytik, Verarbeitung und Verpackung. Dabei sei der Einsatz von Nanopartikeln im Verpackungsbereich nicht neu: Vakuumbedampfte Folien zur Verbesserung der Barrierewirkung seien seit rund 30 Jahren im Einsatz, auch antimikrobielle oder lichtschützende Beschichtungen gebe es schon länger. Doch die rasante Entwicklungsdynamik der Nanotechnologie eröffne derzeit ganz neue Einsatzgebiete für intelligente und funktionale Verpackungen, zum Beispiel die Integration von diagnostischen oder indikatorischen Funktionen oder den Fälschungsschutz. Nach einer aktuellen Prognose sollen bis 2014 rund 50 Prozent des Marktes auf aktive Verpackungen mit optimierten Eigenschaften entfallen. Das Innovationspotenzial der Nanotechnologie reiche hier von der verbesserten Produkthaltbarkeit über Abfallverringerung bis zur Verbesserung der Ökobilanz, etwa bei der Produktion von PET-Flaschen.

Schutzatmosphären verlängern Haltbarkeit

Unterschiedliche Schutzgase für verlängerte Haltbarkeit von Lebensmitteln waren das Thema von Dr. Florian Kugler, Marketingleiter Getränke und Schutzgase bei Air Liquide Deutschland. Kugler berichtete, dass die antimikrobielle und antioxidative Wirkung von Kohlendioxid schon in der Antike genutzt worden sei: Bei Lagerung von feuchtem Getreide in dichten Erdgruben habe CO2-Bildung den Verderbsprozess verlangsamt. Als Schutzgase in Verpackungen kämen heute vornehmlich reines Kohlendioxid, reiner Stickstoff oder Gemische daraus zum Einsatz, abhängig vom jeweiligen Lebensmittel. Teilweise werde auch Sauerstoff als Schutzgas verwendet, etwa zur Erhaltung der Farbe bei Frischfleisch oder der Atmung bei frischem Obst und Gemüse. Kugler rechnet mit einer weiter wachsenden Nachfrage nach Schutzgasen, aufgrund des Trends zu Convenience-Produkten, der Vorliebe der Verbraucher für frische und «natürliche» Produkte und der Wichtigkeit eines ansprechenden Verpackungsdesigns.

Sensorik zum Ausschluss von Fehlaromen

Über «Verpackung und Geschmack: Sensorische Qualitätskontrolle» sprach Dr. Gabriele Haack, Projektmanagerin Sensory Marketing bei der Theo-Müller-Unternehmensgruppe. Die EG-Verordnung 1935/2004 verlangt, dass Verpackungsmaterialien keine Stoffe absondern dürfen, die die menschliche Gesundheit gefährden, das Produkt verändern oder seine organoleptischen Eigenschaften beeinträchtigen. Letzteres aber komme vor, berichtete Haack aus ihrer Praxis als Prüfleiterin Sensorik beim Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung: Durch Interaktion zwischen Verpackungsmaterial und Lebensmittel oder durch Umgebungseinflüsse könnten sich Fehlaromen bilden. Um dies auszuschließen, werde die Kombination Verpackung-Lebensmittel einem Lagerungstest unter den vorgesehenen Anwendungsbedingungen unterzogen, dabei müsse jedoch der «Worst Case» – extreme Lager- und Transportbedingungen – immer mit einbezogen werden. Anschließend vergleiche ein geschultes Panel aus mindestens sechs Prüfern das Produkt mit einer Referenz, unter Einsatz genormter sensorischer Methoden.

DLG-Lebensmitteltage: Die DLG veranstaltete 2009 zum vierten Mal ihre Lebensmitteltage. Bei diesem Zukunftsforum der Lebensmittelbranche diskutierten rund 500 Teilnehmer während der Haupttagung über «Lebensmittel im gesellschaftlichen Wandel» und in verschiedenen Fachforen über aktuelle Themen aus den Bereichen Fleisch und Convenience, Backwaren, Sensorik, Verpackung und Kommunikation.

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