Dienstag, 27. September 2022
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WKÖ Gewerbe und Handwerk: Energiekosten werden zur Existenzfrage

Wien / AT. (wko) Die Explosion der Energiekosten stellt zahlreiche Unternehmen im österreichischen Gewerbe und Handwerk vor existenzielle Probleme. «Uns erreichen derzeit laufend dramatische Hilferufe: Vielen unserer klein- und mittelständischen Betriebe steht das Wasser bis zum Hals,» warnt Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). «Ihre Kosten haben sich verglichen mit den Vorjahren vervielfacht. Auch diese Jahre waren bekanntlich von multiplen Krisen, Lockdowns und der Pandemie überschattet. Ohne spürbare Entlastung werden viele zusperren müssen.»

Scheichelbauer-Schuster: «Diese exorbitanten Preissteigerungen können unsere Betriebe nicht einfach auf die Kundschaft überwälzen. Die Menschen leiden ja selbst unter der schwindenden Kaufkraft und müssen stark auf die Ausgabenbremse treten.» Die verspürte Aussichtslosigkeit ist teils groß.

Ein kleiner Fleischereibetrieb aus Oberösterreich mit angeschlossenem Verkaufsgeschäft, der bisher 15.000 Euro Energiekosten pro Jahr hatte, soll jetzt dafür 95.000 Euro aufbringen. Dieser Mehraufwand sei über die Theke unmöglich zu verdienen, eine Schließung stehe im Raum.

Für Bäckereien fallen Gas- und Stromkosten besonders ins Gewicht. Die Gaspreise sind seit Jahresbeginn von 2,9 Cent pro kWh (Gas) auf 23 bis 28 Cent (je nach Vertrag) respektive 38,3 Cent am Spotmarkt gestiegen. Strom hat sich im selben Zeitraum von 5 Cent auf 20 bis 70 Cent (je nach Anbieter und Vertrag) verteuert. Selbst für einen kleinen, regionalen Bäckerei-Nahversorger mit vergleichsweise sehr günstigen Energie-Verträgen sind die Kosten schon jetzt von 17.600 Euro auf 54.000 Euro im Jahr hochgeschossen.

Ob über Heiz- und Kühlkosten, über den Gas- und Strompreis für Produktionsanlagen oder via Spritpreis für den Transport – praktisch jeder Betrieb im Gewerbe und Handwerk ist von der Kostenexplosion betroffen. Obwohl in manchen Branche eine gute Auftragslage herrscht, bleibt am Ende kein Ertrag mehr übrig oder es droht ein Verlust, weil die Energiekosten alles auffressen.

«Diese Belastungen sind unverschuldet und unausweichlich. Wir brauchen jetzt eine rasche Entlastung und und einen Energiekostenzuschuss, von dem jeder Betrieb profitieren kann, der von diesen massiven Steigerungen betroffen ist,» mahnt Scheichelbauer-Schuster.

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