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Zum 80. Geburtstag: Kolloquium zu Ehren von Prof. Meuser

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Berlin. (bbgfg) Die Berlin-Brandenburgische Gesellschaft für Getreideforschung (BBGfG) veranstaltete am 30. November gemeinsam mit dem Fachgebiet Lebensmittelverfahrenstechnik am Institut für Lebensmitteltechnologie und Lebensmittelchemie der Technische Universität Berlin ein wissenschaftliches Festkolloquium für Prof. em. Dr. Dr. e.h. Friedrich Meuser anlässlich dessen 80. Geburtstags.

Prof. Meuser hat den Verein über Jahrzehnte im Interesse der Vereinsziele geleitet, einen Wissensaustausch zwischen Forschung und Praxis zu schaffen und damit zugleich den Nachwuchs zu fördern. Seit einigen Jahren leitet Prof. Dr. Eckhard Flöter unter dieser Zielsetzung den Verein mit dem erweiterten Blick auf den Fortschritt in den einschlägigen Bereichen des Ernährungsgewerbes.

Prof. Flöter nutzte die Gelegenheit, um über die Gestaltung des Programms einen Rückblick und Ausblick auf die das gesamte Gewerbe umwälzenden Entwicklungen aufmerksam zu machen, in die das Wirken des Jubilars in der wissenschaftlichen Welt und seinen Einfluss auf den Fortschritt eingebunden war. Mit dieser Absicht eröffnete er das Kolloquium.

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Prof. Dr. Dr. Hans Steinhart, Universität Hamburg, zeigte als Laudator den wissenschaftlichen Lebensweg des Jubilars in einer eindrucksvollen Gesamtschau auf, die von der Fachwissenschaft ausgehend bis in seine vielfältigen Aufgaben in der wissenschaftlichen Gemeinschaft reichte. Es schien so, als sei selbst der Jubilar überrascht über die Fülle und das Ausmaß seines Wirkens.

Doch der Laudator ist ein glaubwürdiger Zeuge, weil die beiden Professoren über Jahrzehnte auf verschiedenen Bahnen parallel nebeneinander hergingen. Dadurch wurde durch die Laudatio deutlich, dass die intensive und systematische Pflege des Wissens- und Gedankenaustauschs zwischen Wissenschaft und Praxis von herausragender Bedeutung für den Fortschritt ist.

Prof. Dr. Bernhard van Lengerich, Minneapolis, bis vor zwei Jahren Vice President for Research and Development von General Mills, griff in seinem Festvortrag diese naheliegende Schlussfolgerung auf. An insgesamt zwölf der seiner eigenen Dissertation folgenden Dissertationen auf dem Gebiet der Extrusion von stärkehaltigen Rohstoffen stellte er wegweisende Entwicklungen in der Anwendung dieser Technik dar. Die meisten dieser Dissertationen wurden vom Forschungskreis der Ernährungsindustrie oder direkt aus der Industrie finanziell unterstützt.

Die anfängliche Grundlagenarbeit, die wesentlicher Gegenstand seiner Dissertation war, ergab sich aus der Suche der Industrie nach einer Rechner gestützten Ausführung von Versuchsplanungen. Dies gelang durch die konsequente Entwicklung eines systemanalytischen Modells. Das führte zu einer dramatischen Beschleunigung von Entwicklungsarbeiten, weil diese Vorgehensweise dem Trial-and Error-Prinzip bei weitem überlegen ist. Was gerade noch für unmöglich gehalten wurde, wurde fast augenblicklich möglich. Die Zukunft rückte damit schneller näher.

Dr. Christian Faber, Rödermark, Senior Technology Consultant bei Zeppelin Systems, griff den Gedanken an eine Beschleunigung der Entwicklung auf und stellte die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für die Implementierung einer Innovation. Rückblickend ergab sich diese Frage schon damals bei seiner Dissertation, als es darum ging, kontinuierliche Sauerteiganlagen in die industrielle Produktion einzuführen. Das war damals ein riskantes Unterfangen, weil kontinuierliche Produktion eines nach biologischen Kriterien produzierten Massestroms auch eine gleichbleibende Abnahme im täglichen Zeitintervall erfordert. Heute hat der technische Ansatz für diese Anwendung der Sauerteigproduktion nicht mehr die gleiche Bedeutung wie damals, weil inzwischen die elektronische Datenverarbeitung ganz andere logistische Lösungsansätze für den produktions- und absatzseitigen Massestrom bieten. Damit ergeben sich aber noch viel größere Herausforderungen, die in der Digitalisierung der gesamten Produktion bestehen. Dazu stellte Dr. Faber die Frage, wer denn bei einer ganzheitlichen Betrachtung von Produktion und Absatz eigentlich der Dirigent beim Tanz der Roboter sei. Wer hätte das gedacht, es ist der Kunde! Niemand allerdings hätte gedacht, dass es mit seiner Entscheidung einen Rechenprozess im Bereich zweistelliger Zehnerpotenzen auslöst und für ihn meistens befriedigend gelöst bekommt.

Mindestens ist das bei Kraftfahrzeugen so, bei Lebensmitteln ist die Roboterisierung noch am Anfang. Dr. Faber ließ die Zuhörer dann wissen, dass der Jubilar die Prüfungen der besten seiner Studierenden immer gerne eine auf die Zukunft gerichtete Frage gestellt habe, in der er wissen wollte, wie sich eine bestimmte Produktionsweise verändern könnte.

Prof. Dr. Stephan Reimelt, Rödermark, bis vor einem Jahr Chief Executive Officer bei General Electric Deutschland und Österreich, verwies in seinem Vortrag darauf, dass die Digitalisierung nur einer von vier Megatrends sei. Die drei anderen seien die Demokratisierung, der demographische Wandel und Dekarbonisierung. In Abhängigkeit von geopolitischen Entwicklungen, darunter der fortschreitenden Urbanisierung, könne das im Rahmen der Weltwirtschaft und ihrer Finanzierung im besten Fall zu einer Konsolidierung des weltweiten Lebensmittelmarktes führen. Änderungen in den Verzehrsgewohnheiten, teilweise hervorgerufen durch kulturelle Veränderungen sowie von Innovationen, bestimmten dabei die Entwicklung des globalen Umfelds. Es sei davon auszugehen, dass langsames Wirtschaftswachstum bei hoher Volatilität und großen Umsetzungsgeschwindigkeiten von Innovationen eine neue Normalität sein werden.

Dr. Götz Kröner aus Ibbenbüren, neben seinen vielen anderen Funktionen aktuell der Vorsitzende des Forschungskreises der Ernährungsindustrie, schloss den wissenschaftlichen Teil der Festveranstaltung mit einem sehr persönlichen Vortrag ab. In dem Vortrag wanderten seine Gedanken entlang an den Stationen der Durchführung seiner akademischen Ausbildung. Er offenbarte die Entwicklung seiner Beziehung als Student, Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter und späterer Freund des Jubilars in menschlich überzeugender Authentizität. Er ließ anklingen, dass er ausspreche, was für viele andere Schüler des Jubilars in ähnlicher Weise zutreffe.

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Behanntgabe des «Friedrich-Meuser-Forschungspreises»

Dr. Kröners Vortrag leitete in den Höhepunkt der Festveranstaltung über, in dem der Jubilar in Form einer Urkunde darüber von Dr. Kröner und Prof. van Lengerich unterrichtet wurde, dass der FEI eine Unternehmer-Stiftung zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses gegründet habe. Danach wird jährlich der «Friedrich-Meuser-Forschungspreis» für eine herausragende Dissertation vergeben.

Empfang mit gut 80 Gästen rundete das Kolloquium ab

Der Jubilar war von dieser Ehrung sichtlich überrascht. Er dankte Prof. Flöter und den Festrednern für die ihm bereiteten freudig angenommenen Überraschungen mit ebenso zutreffenden wie nachdenklichen Worten über das gegenwärtige akademische Leben als auch den Umgang mit großen historischen Vorbildern. An das wissenschaftliche Festkolloquium schloss sich ein Empfang für die gut 80 Festgäste von nah und fern an, darunter Vertreter von Verbänden, der Wissenschaft und aus der Industrie (Fotos: 2x S.Rudolph – 1x G.Gölz).