Sonntag, 28. November 2021
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KfW: Fachkräftemangel in Deutschland steigt weit über Vorkrisenniveau

Frankfurt. (kfw) Der Fachkräftemangel in Deutschland beschleunigt sich und sorgt im Oktober 2021 für Beeinträchtigungen der Geschäftstätigkeit von 43 Prozent aller Unternehmen, wie das aktuelle KfW-ifo-Fachkräftebarometer zeigt. Mittelständische Unternehmen und Großunternehmen sind im selben Ausmaß betroffen (43,2 respektive 42,5 Prozent). Im Vergleich zum Oktober 2020, als die Unternehmen in erster Linie mit Krisenbewältigung befasst waren, hat sich der Anteil der vom Fachkräftemangel betroffenen Unternehmen fast verdoppelt (23 Prozent Oktober 2020). Fehlendes Fachpersonal ist damit aktuell ein weitaus häufigeres Produktionshemmnis als vor Ausbruch von Covid-19 (28,6 Prozent Anfang 2020).

Im Oktober melden alle Wirtschaftsbereiche Probleme, am stärksten jedoch der Dienstleistungssektor, bei dem jede zweite Firma über fehlende Fachkräfte klagt (48 Prozent). Im Verarbeitenden Gewerbe sieht sich jedes dritte Unternehmen von Fachkräftemangel beeinträchtigt – der Anteil hat sich mehr als verdreifacht von 11 Prozent im Oktober 2020 auf 37 Prozent im Oktober 2021. Gleichzeitig ist damit unter den Industrieunternehmen der Höchstwert seit der Wende erreicht. Im Einzelhandel spüren aktuell ebenfalls 37 Prozent der Firmen Behinderungen durch Fachkräftemangel, im Bauhauptgewerbe 35 Prozent.

Mit Blick auf die Branchen ist der Fachkräftemangel im Oktober im Beherbergungsgewerbe mit 72 Prozent betroffenen Unternehmen am stärksten ausgeprägt. Es folgt der Landverkehr (Personen- und Güterverkehr auf Straße und Schiene) inklusive Transport in Rohrfernleitungen, wo 64 Prozent der Unternehmen fehlendes Fachpersonal beklagen. Von den Dienstleistern der Informationstechnologie sind ebenfalls mehr als die Hälfte betroffen. Die Ursachen für den besonders ausgeprägten Arbeitskräftemangel in diesen Branchen unterscheiden sich: Im Beherbergungsgewerbe und auch in der Gastronomie haben sich viele Beschäftigte wegen der langen Lockdown-Phasen und der Einkommensausfälle durch Kurzarbeit in der Pandemie Arbeit in anderen Branchen gesucht. Ebenso wie im Landverkehr dürfte hier zudem die relativ niedrige Entlohnung eine Rolle spielen. Anders sieht es bei den Dienstleistungen der Informationstechnologie aus, wo weit überdurchschnittliche Bruttomonatsverdienste gezahlt werden; die Fachkräfteknappheit ist hier bedingt durch die stark wachsende Nachfrage nach IT-Dienstleistungen.

«Das aktuelle KfW-ifo-Fachkräftebarometer zeigt, dass die deutsche Wirtschaft aktuell mit mehr als Material- und Lieferengpässen zurechtkommen muss. Der Fachkräftemangel hemmt die Firmen in weit größerem Ausmaß als vor der Krise», fasst Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, zusammen. «Fehlende Fachkräfte drohen zum Nadelöhr für den weiteren Aufschwung und das Wachstum in den nächsten Jahren zu werden. Wie sich der Fachkräftemangel weiterentwickelt, wird entscheidend davon abhängen, ob und in welchem Ausmaß die Erwerbsbeteiligung der Deutschen und die Arbeitskräftezuwanderung wieder steigt und inwieweit es gelingt, durch Aus- und Weiterbildung die Fachkräfte bedarfsgerecht zu qualifizieren» (Foto: pixabay.com).