Sonntag, 21. Juli 2024
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Lübeck: Zweihandvoll Sehnsucht nach gutem Essen

Hamburg. (usp) Über eine kleine, unauffällige Meldung aus dem Norden sind wir gestolpert. Demnach soll in der Lübecker Innenstadt – nach einem «Zweihandvoll Burger» Restaurant im Februar – bald auch eine «Zweihandvoll Bakery» ihre Türen öffnen. Ohne System-Gastronomen oder Industriebäcker dahinter. Ein genaues Datum stehe noch nicht fest. Betreiberin ist demnach die Zweihandvoll Food Company, die auf frisches und regionales Essen setzt. Beim Unternehmen habe alles mit einem Food Truck und einer Farm begonnen, auf der eigenes Gemüse angebaut wird.

Die Zweihandvoll Food Company ist im Internet schnell gefunden und dort lässt sich denn auch präzise nachlesen, was die eingangs erwähnte Meldung nur andeutet. Den erwähnten Food Truck finden wir zwar nicht. Doch dafür lässt sich das Geschäftsmodell wie folgt ablesen:

  • Zweihandvoll Farm – Urban Gardening an der Peripherie: Am Stadtrand von Lübeck liegt die Zweihandvoll Farm. Hier werden mit Hingabe frische Salate, würzige Kräuter und regionales Gemüse produziert. Das Konzept: Im urbanen Umfeld, ganz in der Nähe der Arbeits- und Lebensräume, wächst Gesundes und Grünes. Ganz gegen dem Trend des Einheitsbreis sind die Initiatoren bestrebt, ohne Einsatz von Pestiziden und ohne die Bildung von Monokulturen Sorten zu kultivieren, die unser aller Küchenkultur bereichern. Wem gesunde Ernährung und kulinarische Inspiration wichtig ist, und dennoch nicht auf den Stadt-Flair verzichten mag, werde das Grüne Plätzchen im Peterhof von Lübeck-Genin lieben – lesen wir auf zweihandvoll-farm.de. Darüber hinaus ist die Website noch unfertig.
  • Zweihandvoll Burger – Regional. Frisch. Einmalig: Hausgemachte Soßen, Fleisch aus Norddeutschland, Brötchen aus der eigenen Bäckerei, Kräuter und Salate von der eigenen Farm, in einer Komposition vereint zum Premium-Burger. Genuss-Revolution mitten in Lübeck seit Februar 2018. Die Webseite zweihandvoll-burger.de macht Appetit und verrät weitere Details.
  • Zweihandvoll Bakery – Artisan Baking: In der Zweihandvoll Bakery, die erst noch öffnen muss, soll Backen Handwerk sein. Die Marke soll ein Publikum ansprechen, dem neben den Zutaten auch die Handarbeit und die Verarbeitung wichtig ist. Keine Backmischungen, lange Teigführung, handgewickelte Ciabattas, und, und. Die Domain für die Webseite zweihandvoll-bakery.de ist registriert, mehr nicht.

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Von besonderem Interesse: der Blick ins Impressum

Das hört sich alles nach einem gut überlegten Geschäftsmodell an, hinter dem geneigte Leser erfahrene Lebensmittel-Unternehmer vermuten, oder? Die Antwort ist absolut spannend: Geschäftsführer der in 2016 gegründeten Zweihandvoll Food Company GmbH + Co. KG ist der Unternehmer Atilla Karka aus Lübeck. Persönlich haftende Gesellschafterin war bis März die BirContract GmbH und ist seither die Zweihandvoll Food Company Verwaltungs GmbH. Würden wir tiefer graben, tauchte irgendwo mit Sicherheit noch Sengül Karka auf. Die Unternehmerin wäre mindestens mit Prokura ausgestattet. Um es kurz zu machen: Das Ehepaar Karka hat schon ganz andere Sachen gestemmt als nur eine kleine Burger-Bude. Atilla und Sengül Karka sind die geschäftsführenden Gesellschafter der BirGroup Holding aus Lübeck. BirFood ist deutschlandweit überall dort marktführend, wo es um ausgezeichnete Lebensmittelhygiene geht.

Atilla Karka ist der lebende Beweis dafür, dass jedem Klischee eine wahre Begebenheit vorausgeht. Während seines BWL-Studiums musste er sich sein Geld als Tellerwäscher verdienen und kam auf diesen Weg in Kontakt mit der Bockholdt Industrie Reinigung (BIR). Das muss für beide Seiten ein sehr prägendes Erlebnis gewesen sein, denn Karka verfasste daraufhin seine Diplomarbeit zum Thema «Motivation von Industrie- Reinigern». Hans-Jürgen Bockholdt soll den jungen Karka dann wie einen Ziehsohn in die Praxis der Unternehmensführung eingeweiht haben. Ende 2004 übernahm Atilla Karka die Industriereinigungssparte der Lübecker Bockholdt- Gruppe und spezialisierte sich mit der daraus entstandenen BirFood GmbH auf Unternehmen der Lebensmittelindustrie. Zählte das Unternehmen anfangs um die 1’500 Mitarbeitende, sind es heute in der Gruppe insgesamt rund 5’000 Beschäftigte.

Sengül Karka hat ebenfalls BWL studiert. Während ihres Studiums hat sie jedoch keine Teller gewaschen, sondern war in der Gebäudereinigung aktiv. Es dauerte nicht lange, und neben dem etablierten Experten BirFood entstanden neue Geschäftsfelder – unter anderem das Unternehmen KaboClean als Spezialistin für Büroreinigung. Geschäftsführende Gesellschafterin ist Sengül Karka.

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Urban Gardening in nächster Nähe zur Firmenzentrale

Mitte 2017 hat die BirGroup Holding in Lübeck-Genin eine neue Firmenzentrale eingeweiht. Insgesamt erwarb die BirGroup dafür am Peterhof mehr als 3,7 Hektar Land, so dass ausreichend Platz für Erweiterungen vorhanden ist. Die «Lübecker Nachrichten» berichteten über den Neubau und den Umzug nach Genin, über die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte von Atilla und Sengül Karka – und über deren Gemüseanbau. So wissen wir, dass die Zweihandvoll Farm mit ihren zwei Gewächshäusern nur wenige hundert Meter von der Zentrale entfernt liegt. Bewirtschaftet wird sie in Handarbeit und ohne den Einsatz von Pestiziden. Vielfalt ist erwünscht und alte Kräuter- und Gemüsesorten werden bevorzugt.

Damit war sie zum ersten Mal sichtbar für eine breitere Öffentlichkeit, weil nachlesbar: Die «Zweihandvoll Farm», deren Erzeugnisse bislang fast ausschließlich in die Kantine der BirGroup wanderten. Wobei die Farm nicht einfach nur «Farm» ist, sondern bei genauem Hinsehen ein anspruchsvolles Projekt: für die Umwelt, die Gärtner, die Mitarbeitenden der BirGroup und neuerdings auch für die «Zweihandvoll Food Company».

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Vom Steckenpferd zum sympathischen regionalen Angebot

Anhand von on Line einsehbaren Registereintragungen lässt sich gut nachvollziehen, wie Atilla und Sengül Karka in Sachen Zweihandvoll Food Company erst einmal ihre Bestimmung suchten. Den erwähnten Food Truck der bundesweit anerkannten Reinigungsexperten haben wir dagegen bis heute nicht gefunden. Die Spielarten von Foodservice und Gastronomie sind unendlich vielseitig. Angekommen sind Atilla und Sengül Karka mit ihrem Steckenpferd jedenfalls bei einem sympathischen Burger-Bakery-Farm-Konzept, das seine Stärke in der Regionalität hat. Das greift eine Sehnsucht auf, die viele Menschen heute teilen. Das Konzept wird vermutlich nie 5’000 Beschäftigte zählen. Das ist auch gar nicht das Ziel (Fotos: Zweihandvoll Food Company).