Montag, 28. September 2020
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20200120-BINARYCODE-MAN

Einzelhandel: Der digitalisierte Kunde als Strichcode

Bremerhaven. (usp) «Whiz-Cart» heißt er und von Pentland Firth aus Pullach kommt er: Der traditionelle Einkaufswagen, der die Indoor Store Navigation beherrscht sowie die Möglichkeit, Einkaufslisten unterwegs im Markt zu erstellen. Damit sich Kunden nicht allzu diszipliniert daran halten, was sie wollen und was nicht, bekommen sie in Echtzeit «die besten Angebote» aufs Display angezeigt. Check-In und Check-Out über Smartphone oder Kundenkarte erfolgen ebenso digital wie die Übermittlung des Kassenbons. Kein Umpacken, Warten oder Auspacken mehr. Kein Anstehen an der Kasse. Der digitalisierte Kunde verlässt den Einkaufsmarkt schrankenlos über die FastLane. Erleben lässt sich das smarte Gerät auf vier Rädern bei Edeka Minden-Hannover. Dort hört es auf den Namen Easy Shopper und ist über WLAN vernetzt. Ein Erklärfilm auf Youtube veranschaulicht Details.

Edeka Minden-Hannover lobt seinen Easy Shopper als «… die derzeit wohl schnellste und einfachste Art des Einkaufens». Doch seien wir ehrlich: Smart Devices wie etwa Smartphones oder Smartwatches sind für manche Menschen zu kompliziert. Auch der Easy Shopper ist ein smartes Gerät – per Definition ein «informationstechnisch aufgerüsteter Alltagsgegenstand, der einen Mehrwert durch sensorgestützte Informationsverarbeitung und Kommunikation erhält.» In Zeiten, in denen wir Bedienungsanleitungen zunehmend in Griffweite aufbewahren, weil wir simple Geräte wie Radio, Fernsehen, Wecker, Smartphone oder Smartwatch ohne sie kaum mehr beherrschen, hat uns ein Easy Shopper gerade noch gefehlt.

Der digitalisierte Kunde wird zum Strichcode. Bewegungsprofile werden erstellt. Technologien zur Bild- und Gesichtserkennung lernen Menschen zu identifizieren und sie einzuschätzen. Am Ende löst ein Kunde allein durch seine Anwesenheit ein Angebot aus, das allein auf ihn und seine Situation abgestimmt ist – personalisierte Werbung in neuer Dimension.

Eine Betrachtung wert ist auch unser Verhältnis zum Geld. Praktisch unsichtbare Zahlungssysteme stellen uns vor neue Herausforderungen. Die Systeme legen es darauf an, dass wir den Bezahlvorgang als solchen am besten gleich wieder vergessen. Neueinsteiger krempeln das Geschäft der Banken um. Auch ihnen ist wenig daran gelegen, dass Kunden ihr Geld «bewusst» oder «bewusst nicht» ausgeben. Die Beziehung zum Geld wird sich in dieser Gemengelage verändern. Ebenso das Verständnis von und die individuellen Ansprüche an Bezahlvorgänge.

Die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland wird künftig wieder zunehmen. Die sind derzeit zwar rückläufig und aktuell auf dem Tiefststand von 2004 angekommen, berichtet CRIF Bürgel in seinem «Schuldenbarometer 1. Halbjahr 2019». Doch schon jetzt sei abzusehen, dass die Zahl der Privatpleiten künftig wieder steigen werde. Die Gründe sind vielfältig und die Trends je nach Altersgruppe, Region oder Bildung unterschiedlich. Hinzu kommt, dass die neuen Zahlungssysteme nicht geeignet scheinen. einen bewussten Umgang mit Geldmitteln besser einzuüben – angesichts der massiven Einladungen zum Konsum (Foto: pixabay.com).