Montag, 2. August 2021
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UNCTAD: Globaler E-Commerce-Umsatz wächst dramatisch

Genf / CH. (unctad) Der dramatische Anstieg des E-Commerce inmitten von Einschränkungen der Bewegungsfreiheit durch Covid-19 hat den Anteil des Online-Handels am gesamten Einzelhandelsumsatz von 16 Prozent auf 19 Prozent im Jahr 2020 erhöht, so lauten die Schätzungen in einem jetzt veröffentlichten UNCTAD Report. UNCTAD veröffentlichte den Bericht anlässlich eines zweitägigen Treffens zur Messung von E-Commerce und der digitalen Wirtschaft. Dem Bericht zufolge wuchs der Online-Einzelhandelsumsatz in mehreren Ländern deutlich, wobei die Republik Korea mit 25,9 Prozent im Jahr 2020 den höchsten Anteil verzeichnete, gegenüber 20,8 Prozent im Jahr zuvor (Tabelle 1). In der Zwischenzeit stieg der weltweite E-Commerce-Umsatz 2019 auf 26,7 Billionen US-Dollar, ein Plus von 4 Prozent gegenüber 2018, so die neuesten verfügbaren Schätzungen. Dies beinhaltet Business-to-Business- (B2B) und Business-to-Consumer- (B2C) Verkäufe und entspricht 30 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr. «Diese Statistiken zeigen die wachsende Bedeutung von Online-Aktivitäten. Sie weisen auch darauf hin, dass Länder, insbesondere Entwicklungsländer, über solche Informationen verfügen müssen, während sie ihre Wirtschaft nach der Covid-19-Pandemie wieder aufbauen», sagte Shamika Sirimanne, UNCTAD’s Direktor für Technologie und Logistik.

Tabelle 1: Online-Einzelhandelsumsatz, ausgewählte Volkswirtschaften, 2018-2020

Economy Online retail sales (USD billions) Retail sales (USD billions) Online share (% of retail sales)
2018 2019 2020 2018 2019 2020 2018 2019 2020
Australia 13.5 14.4 22.9 239 229 242 5.6 6.3 9.4
Canada 13.9 16.5 28.1 467 462 452 3.0 3.6 6.2
China 1’060.4 1’233.6 1’414.3 5’755 5’957 5’681 18.4 20.7 24.9
Korea (Rep.) 76.8 84.3 104.4 423 406 403 18.2 20.8 25.9
Singapore 1.6 1.9 3.2 34 32 27 4.7 5.9 11.7
United Kingdom 84.0 89.0 130.6 565 564 560 14.9 15.8 23.3
United States 519.6 598.0 791.7 5’269 5’452 5’638 9.9 11.0 14.0
Economies above 1’770 2’038 2’495 12’752 13’102 13’003 14 16 19

Quelle: UNCTAD, basierend auf nationalen Statistikämtern.

Gemischtes Glück für einige Firmen

Die Covid-19-Pandemie hat auch zu einem gemischten Schicksal für führende B2C-E-Commerce-Unternehmen geführt, berichtet der UNCTAD-Report. Die Daten für die 13 führenden E-Commerce-Firmen, von denen 11 aus China und den USA stammen, zeigen eine bemerkenswerte Umkehrung des Schicksals für Plattformunternehmen, die Dienstleistungen wie Ride-Hailing und Reisen anbieten (Tabelle 2). Alle erlebten starke Rückgänge beim Bruttowarenwert (GMV) und entsprechende Rangrückgänge. So fiel Expedia von Platz 5 im Jahr 2019 auf Platz 11 im Jahr 2020, Booking Holdings von Platz 6 auf Platz 12 und Airbnb, das im Jahr 2020 seinen Börsengang startete, von Platz 11 auf Platz 13. Trotz des Rückgangs des GMV der Dienstleistungsunternehmen stieg das gesamte GMV der 13 führenden B2C-E-Commerce-Unternehmen im Jahr 2020 um 20,5 Prozent und damit stärker als im Jahr 2019 (17,9 Prozent). Besonders große Zuwächse gab es für Shopify (plus 95,6 Prozent) und Walmart (72,4 Prozent). Insgesamt lag das B2C-GMV der Top-13-Unternehmen im Jahr 2020 bei 2,9 Billionen US-Dollar.

Tabelle 2: Top B2C-E-Commerce-Unternehmen nach GMV, 2020

Rank by GMV Company HQ Industry GMV (USD billions) GMV change (%)
2020 2019 2018 2019 2020 2018-19 2019-20
1 1 Alibaba China E-commerce 866 954 1’145 10.2 20.1
2 2 Amazon USA E-commerce 344 417 575 21.0 38.0
3 3 JD.com China E-commerce 253 302 379 19.1 25.4
4 4 Pinduoduo China E-commerce 71 146 242 104.4 65.9
5 9 Shopify Canada Internet Media + Services 41 61 120 48.7 95.6
6 7 eBay USA E-commerce 90 86 100 -4.8 17.0
7 10 Meituan China E-commerce 43 57 71 33.0 24.6
8 12 Walmart USA Consumer goods retail 25 37 64 47.0 72.4
9 8 Uber USA Internet Media + Services 50 65 58 30.5 -10.9
10 13 Rakuten Japan E-commerce 30 34 42 13.6 24.2
11 5 Expedia USA Internet Media + Services 100 108 37 8.2 -65.9
12 6 Booking Holdings USA Internet Media + Services 93 96 35 4.0 -63.3
13 11 Airbnb USA Internet Media + Services 29 38 24 29.3 -37.1
Companies above 2’035 2’399 2’890 17.9 20.5

Quelle: UNCTAD basierend auf Unternehmensberichten. Hinweis: Alibaba-Jahr ab 01. April, Walmart-Jahr ab 01. Februar. Teils sind Schätzwerte dabei. GMV = Gross Merchandize Value = Bruttowarenwert (sowie Booking Value respektive Buchungswert).

Business-to-Business-Verkäufe dominieren den E-Commerce

Der Bericht schätzt den Wert des globalen B2B-E-Commerce im Jahr 2019 auf 21,8 Billionen US-Dollar. Dies entspricht 82 Prozent des gesamten E-Commerce, einschließlich der Verkäufe über Online-Marktplattformen und der Transaktionen im elektronischen Datenaustausch (EDI). Die Vereinigten Staaten dominieren weiterhin den gesamten E-Commerce-Markt, vor Japan und China (Tabelle 3). Der B2C-E-Commerce-Umsatz wurde für 2019 auf 4,9 Billionen US-Dollar geschätzt, ein Plus von 11 Prozent gegenüber 2018. Die drei umsatzstärksten Länder im B2C-E-Commerce blieben China, die USA und das Vereinigte Königreich. Der grenzüberschreitende B2C-E-Commerce belief sich 2019 auf rund 440 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 9 Prozent gegenüber 2018. Der UNCTAD-Bericht stellt außerdem fest, dass der Anteil der Online-Shopper, die grenzüberschreitend einkaufen, von 20 Prozent im Jahr 2017 auf 25 Prozent im Jahr 2019 gestiegen ist.

Tabelle 3: E-Commerce-Umsätze: Top-10-Länder, 2019

Rank Economy Total e-commerce sales (USD billions) Share of total e-commerce sales in GDP (%) B2B e-commerce sales (USD billions) Share of B2B e-commerce sales in total e-commerce (%) B2C e-commerce sales (USD billions)
1 United States 9’580 45 8’319 87 1’261
2 Japan 3’416 67 3’238 95 178
3 China 2’604 18 1’065 41 1’539
4 Korea (Republic) 1’302 79 1’187 91 115
5 United Kingdom 885 31 633 72 251
6 France 785 29 669 85 116
7 Germany 524 14 413 79 111
8 Italy 431 22 396 92 35
9 Australia 347 25 325 94 21
10 Spain 344 25 280 81 64
10 above 20’218 36 16’526 82 3’691
World 26’673 30 21’803 4’870

Quelle: UNCTAD, basierend auf nationalen Quellen. Hinweis: Teils sind Schätzwerte dabei (im Original kursiv gesetzt und hier untergegangen).

E-Commerce-Firmen schneiden bei der digitalen Integration schlecht ab

Trotz des beträchtlichen Vermögens von E-Commerce-Firmen bewertete ein von der World Benchmarking Alliance im Dezember letzten Jahres veröffentlichter Index sie schlecht in Bezug auf die digitale Integration. Der Index bewertete 100 digitale Unternehmen, darunter 14 E-Commerce-Firmen, danach, wie sie zum Zugang zu digitalen Technologien, zum Aufbau digitaler Kompetenzen, zur Stärkung des Vertrauens und zur Förderung von Innovationen beitragen. E-Commerce-Unternehmen schnitten im Vergleich zu Unternehmen aus anderen digitalen Branchen wie Hardware oder Telekommunikationsdiensten schlechter ab. Das am höchsten bewertete E-Commerce-Unternehmen war zum Beispiel eBay auf Platz 49. Insgesamt erreichten die E-Commerce-Unternehmen nur 20 von 100 möglichen Punkten. Laut dem UNCTAD-Bericht ist ein Hauptfaktor für das schlechte Abschneiden, dass E-Commerce-Unternehmen relativ jung sind und typischerweise erst in den letzten zwei Jahrzehnten gegründet wurden. «Diese Firmen haben sich eher auf die Aktionäre konzentriert, als sich mit einer breiten Gruppe von Stakeholdern zu beschäftigen und Kennzahlen zu ihrer Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsleistung zu erstellen», heißt es in dem Bericht. Nichtsdestotrotz gibt es einige Lichtblicke. Zum Beispiel bieten mehrere E-Commerce-Unternehmen kostenlose Schulungen für Unternehmer an, wie sie online verkaufen können, in einigen Fällen auch speziell für benachteiligte Gruppen wie Menschen mit Behinderungen oder ethnische Minderheiten (Foto: pixabay.com).