Dienstag, 18. Juni 2024
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20150710-VDMUEHLEN

Getreidefachtagung: diskutierte Folgen der neuen Düngeverordnung

Berlin. (vdm) Die Novelle der Düngeverordnung wird sich unmittelbar auf die Produktion von proteinreichen und backstarken A- und E-Weizensorten auswirken. Die neuen Regeln werden nicht nur einschneidende Folgen für die Mühlenwirtschaft, sondern für die gesamte Getreidewertschöpfungskette haben. Das bestätigten die Diskussionen während der Getreidefachtagung in Weihenstephan, zu der Stefan Blum, Vorsitzender des Verbands bayerischer Handelsmühlen, in dieser Woche rund 70 Gäste begrüßte. Die Getreidefachtagung wird vom Verband Deutscher Mühlen (VDM) gemeinsam mit dem Bayerischen Müllerbund und der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit der TU-München durchgeführt.

Mahl- und Backqualität von Getreide und Mehl sind das Ergebnis aus Standort-angepasster Sortenwahl und bedarfsgerechter Stickstoff-Düngung. Eine deutliche Beschränkung der Düngung wird unter anderem dazu führen, dass sortenspezifische Qualitätsparameter an Bedeutung gewinnen. Neben den agronomischen Eigenschaften der verschiedenen Getreidesorten wird die sortenspezifische Eiweißqualität stärker in den Vordergrund rücken. Zu diesem Ergebnis kommt Lorenz Hartl von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

Das heute rund 95 Prozent des in den Mühlen verarbeiteten Weizens aus Deutschland stammen, ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte der Zusammenarbeit von Züchtung, Landwirtschaft und Mühlenwirtschaft, stellte Peter Haarbeck vom Verband Deutscher Mühlen fest. Er fordert die Politik auf, auf pauschale Begrenzungen zu verzichten, die die Versorgung mit Qualitätsgetreide aus der Region gefährdet. Vielmehr sind Lösungen zu finden, die eine optimale Bestandsführung erlauben und gleichzeitig das Ziel des Wasserschutzes im Auge behalten.

Über den aktuellen Sachstand zur Mehlanalytik informierte Mario Jekle von der Technischen Universität München. Klar ist, dass die Backqualität des Weizens nicht ausschließlich vom Proteingehalt bestimmt wird. So spielen Fallzahl, Mehlausbeute oder Wasseraufnahme ebenfalls eine wichtige Rolle. Dennoch sind Menge und Qualität der komplexen Proteinstrukturen im Getreide wesentliche Parameter für die Qualität der Mehle insgesamt. Diese komplexen Strukturen zuverlässig standardisiert in einem Schnelltest zu bestimmen, wird aber nicht einfach gelingen, sagt Jekle.

Der Rohproteingehalt als das herausragende Handelskriterium steht nicht nur bei den Landwirten zunehmend in der Kritik, sagt Helmut Greif, Vorsitzender des Fachausschuss für pflanzliche Erzeugung und Vermarktung im Bayerischen Bauernverband. Um hohe Verkaufserlöse zu erzielen, streben die Landwirte einen möglichst hohen Proteingehalt an. Die Spätdüngung mit Stickstoff führt aber je nach Witterungsverhältnissen nicht automatisch zum Erfolg und ist nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen zu hinterfragen.

Erfassungshandel, Mühlen- und Backwirtschaft sind ebenso wie die Züchter aufgefordert, ihre Prozesse und Produkte zu überdenken und nach alternativen Methoden zur besseren und schnelleren Bestimmung der Backeigenschaften zu suchen. Die einfache und schnelle Ermittlung der Getreidequalität bei der Erfassung der Getreidepartien – auch in der Ernte – beim Handel ist Voraussetzung dafür, dass die angelieferten Partien nach Qualitätsmerkmalen eingelagert werden können. Erst dann ist auch eine Bezahlung nach neuen Qualitätsmerkmalen denkbar.

Die Getreidefachtagung in Weihenstephan wird vom Verband Deutscher Mühlen gemeinsam mit dem Bayerischen Müllerbund und der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit der TU-München durchgeführt. Die Tagung kurz vor der Ernte hat sich über viele Jahre als eine über die Branche hinaus bekannte und erfolgreiche Diskussionsplattform etabliert. Gemeinsame Herausforderungen, wie die Novellierung der Düngeverordnung können nur gemeinsam in der Wertschöpfungskette gelöst werden.