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Niedersachsen: Bäcker sehen sich mit dem Rücken zur Wand

Hannover. (biv) Mit Erleichterung nimmt das niedersächsische Bäckerhandwerk die Ankündigung der Politik zur Kenntnis, gastronomische Betriebe in einem Stufenplan zeitnah wieder zu öffnen.

«Damit haben unsere Bäckereien wenigstens wieder eine zeitliche Perspektive vor Augen», kommentiert Dietmar Baalk, Bäckermeister aus Verden und gleichzeitig Landesinnungsmeister die Entscheidung. «Unser Dank gilt der niedersächsischen Landesregierung für die Initiative, die im Interesse aller Kollegen hoffentlich auch in den anderen Bundesländern Nachahmung findet.»

BIV-Vorstandsmitglied Babette Lichtenstein van Lengerich, die zusammen mit ihrem Mann in Wietmarschen-Lohne eine Bäckerei mit 15 Filialen und Cafes leitet, ergänzt: «Die Mehrzahl unserer Betriebe betreiben Cafes, die zur Gastronomie zählen und daher geschlossen wurden. Damit sind die Bäcker im «Shut down» um im Durchschnitt 70 % ihres Umsatzes beraubt. Viele Bäcker verkaufen auch aus sogenannten «Vorkassenzonen» in Supermärkten. Auch hier belaufen sich die Umsatzeinbußen auf zirka 20 Prozent, da weniger Personen die Supermärkte besuchen und die Wegeführung im Markt den Besuch des Bäckers am Ausgang erschwert.»

Erschwerend kommt im Bäckerhandwerk hinzu, dass das Lieferkundengeschäft zum Beispiel an Hotels und Schulen, komplett ausgefallen ist.

Kennzeichnend für das Bäckerhandwerk ist, dass es sehr personalintensiv ist, was oft nicht gesehen wird. «Wegbrechender Umsatz gefährdet unmittelbar unsere Arbeitsplätze», erklärt Jan Loleit, Geschäftsführer des Bäckerinnungsverbands Niedersachsen/Bremen. «Der durchschnittliche niedersächsische Bäcker hat nach aktueller Statistik 43 Mitarbeiter und ist damit im Handwerk rund viermal so groß wie ein Baubetrieb und siebenmal so groß wie ein Friseur. In den mehr als 700 Betrieben sind mehr als 25.000 Mitarbeiter beschäftigt, die einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftet hatten. Jeder Euro, der an Umsatz fehlt, führt unweigerlich zu Kurzarbeit und Entlassungen. Die staatlichen Hilfen sind da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein», sagt Loleit.

Eine Verbandsumfrage ergab: Nahezu alle Betriebe müssen Kurzarbeit nutzen, um Mitarbeiter halten zu können. Mehr als zehn Prozent der Betriebe mussten bereits Entlassungen vornehmen. Gerade geringfügig Beschäftigte, zum Beispiel Verkaufspersonal, die zum Familienunterhalt einen Teil beisteuern müssen, sind hiervon betroffen. Die Möglichkeit zur Ausbildung von Lehrlingen – viele mit Migrationshintergrund – wird für die Betriebe zur Unsicherheit.

«Wir wollen und wir müssen wieder normal arbeiten, auch wenn es unter verschärften Hygieneauflagen ist. Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz für unsere Mitarbeiter. Im Lebensmittelhandwerk ist der Umgang mit Hygiene für uns eine Selbstverständlichkeit», kommentiert Dietmar Baalk.