Dienstag, 2. März 2021
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20160427-EDEKA

K+U: Eine tiefgreifende Modernisierung kündigt sich an

Offenburg. (eb) Als wir zum letzten Mal an dieser Stelle verbindlich von der K+U Bäckerei GmbH hörten, war die hundertprozentige Tochtergesellschaft der Edeka Südwest gerade in die Tarifbindung zurückgekehrt. 2013 hatte sich K+U aus dem Verband Deutscher Großbäckereien zurückgezogen und es war maßgeblich dem K+U-Prokuristen Peter Ganghof zu verdanken, dass seit April 2017 wieder ein Entgelt- und Manteltarifvertrag gilt für die Bäckerei-Gruppe mit ihren rund 820 Filialen und etwa 4.500 Verkäufer/innen.

Die Strategie ist veraltet, der Preisdruck steigt

An fünf Produktionsstandorten mit rund 700 Bäckerinnen und Bäckern werden die Produkte handwerklich hergestellt – schrieb das Unternehmen 2017. Auf 2018 bezogen und mit Blick auf 2019 könnte man auch sagen: Die K+U-Bäckerei-Gruppe leistet sich nach wie vor selbst dort eine handwerkliche Produktion und ein Vollsortiment, wo es wirtschaftlich nicht mehr darstellbar ist. Qualität allein reicht für die Bäckerei-Gruppe nicht mehr aus, um langfristig und nachhaltig zu bestehen. Da hilft auch die Würdigung als «Top Arbeitgeber national» von 2017 nicht weiter. Der Rubel muss rollen, damit am Ende nicht die Arbeitsplätze ins Wanken kommen. Der Preisdruck durch Discounter und andere Tiefkühlbäcker steigt kontinuierlich. Die Verluste, die K+U bei einem Jahresumsatz von rund 200 Millionen Euro Jahr für Jahr einfährt, häufen sich.

Zwar soll es Peter Ganghof zuletzt gelungen sein, Verluste zu reduzieren. Andererseits ist er seit drei Jahren der Hauptverantwortliche für die Entwicklung der K+U-Bäckerei-Gruppe. Die Muttergesellschaft Edeka Südwest kann den strategischen Erfolg bei K+U jedoch nicht recht erkennen. Oder die Geschäftsführer Rainer Huber (Sprecher), Jürgen Mäder und Rudolf Matkovic haben ein anderes Beispiel vor Augen: Den erfolgreichen Umbau wie bei Schäfer’s Brot- und Kuchenspezialitäten mit Sitz in Porta Westfalica. Schäfer’s ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Regionalgesellschaft Minden-Hannover. Ohne nennenswerte Kollateralschäden hat die Großbäckerei in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Transformation durchgemacht.

Produktion und Vertrieb stehen vor strukturellem Wandel

Wir erinnern uns: Edeka Minden-Hannover hatte schon Ende 2012 den Verkauf von Backwaren neu strukturiert und die Verantwortung für die Schäfer’s-Backshops in den Einzelhandel und an selbstständige Partner übertragen. «Diese Entscheidung war richtig. Die Einbindung der Backshops in den Einzelhandel führt zu deutlichen Umsatzsteigerungen. Unsere Einzelhändler und unsere Schäfer’s-Partner wissen am besten, wie das Angebot optimal auf die Wünsche der Kunden auszurichten ist», sagte im April 2014 Mark Rosenkranz, der damalige Vorstandssprecher an der Weser. Nachdem der Verkauf erfolgreich umstrukturiert war, stellte Edeka Minden-Hannover die Backwarenproduktion neu auf: «Ab Anfang 2016 wird Schäfer’s alle drei Fertigungsstufen – Fertiggebackenes, Halbgebackenes und Tiefkühl-Teiglinge – aus einer Hand produzieren. Damit sind wir in der Lage, den Edeka-Einzelhandel mit Backwaren sowohl für die Bedienungstheken als auch für die SB-Backstationen aus eigener Herstellung zu beliefern», sagte Rosenkranz in der gleichen Mitteilung.

Kurzum: Was uns heute so einleuchtend erscheint, voll den Nerv der Kundenerwartungen trifft und sich in den Backwarenumsätzen niederschlagen dürfte – darauf wartet man im Südwesten noch. Auch wenn man den erfolgreichen Umbau in Minden nicht explizit erwähnt, dürften die Zahlen doch für sich sprechen und einen Hinweis geben auf die Ausrichtung, wie sie sich Edeka-Südwest für K+U künftig vorstellt. Eine Kurskorrektur ist unumgänglich und K+U-Prokurist Peter Ganghof soll vor der Ablösung stehen. Eine offizielle Mitteilung gibt es zwar noch nicht, doch wird die für die nächsten Tage erwartet. Soweit aus dem Südwesten zu vernehmen ist, soll in Kürze eine Betriebsversammlung stattfinden. Die wird vermutlich nicht nur die Personalie zum Inhalt haben. Ein Umbau der Bäckerei-Gruppe, ähnlich wie in Minden-Hannover erfolgreich vollzogen, ist für den Südwesten wahrscheinlich. Mit Blick auf die Zukunft auch wünschenswert (Foto: edeka.de).