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Frischback: Aufstieg und Fall eines führenden Filialisten

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Arnstadt. (eb) Das waren noch Zeiten, als der TV-Sender »Kabel 1« staunend von der Frischback GmbH Arnstadt berichtete: 20.000 Brote erzeugte die Großbäckerei 2004 im Schnitt pro Tag. Nicht nur Vollkorn-, Weizen-, Kartoffel- und Roggenbrot liefen vom Band, sondern auch Brötchen, Kuchen und Torten in – für den Sender – unfassbarer Stückzahl. Gebacken wurde rund um die Uhr, Torten nachmittags, Brote am Abend, Brötchen in der Nacht. Die Großbäcker belieferten die Bundeswehr, Hotels, Krankenhäuser, die Gastronomie sowie die eigenen 200 Back-Shops.

Was kaum jemand ahnte: Ihre beste Zeit hatte die Frischback Gruppe zu dieser Zeit schon hinter sich. Gegründet 1990 von Prof. Dr. Anton Dieter Hammel, einem ehemaligen Mitgesellschafter der Lieken-Gruppe noch vor deren Verkauf an Wendeln, ging es mit der Großbäckerei zunächst steil bergauf. Um die Jahrtausendwende gehörte die Gruppe mit 250 Back-Shops zu den führenden deutschen Filialbäckereien. 2001 verkaufte Prof. Hammel, damals 63, die Gruppe an den geschäftsführenden Mitgesellschafter und weitere führende Mitarbeitende. Von 2006 bis 2009 zog sich der Mitgesellschafter sukzessive aus der Geschäftsführung zurück und wir haben das Thema nicht weiter verfolgt.

Ostdeutschland steckte in der Wende der Systeme. Die backenden Branchen stehen mehr denn je im Wandel der Zeit. Mittendrin und zwischen diversen Variablen suchte die industriell geprägte Frischback Gruppe nach einem neuen Profil: «Tradition und Handwerk aus Thüringen». Das war vielleicht alles ein bisschen viel und hinter den Kulissen waren sich die Verantwortlichen möglicherweise nicht immer einig. Das wiederum zehrt an einem Unternehmen, das sich auf handwerkliche Strukturen einstellen will und gleichzeitig Hypotheken aus der Vergangenheit abtragen muss.

Das war riskant und die Frischback Gruppe hat es nicht geschafft. Die Besserwisser, die sich hier und da zitieren ließen, füllten zwar die Schlagzeilen, waren aber nicht hilfreich. Anerkennung ist hingegen der ARGE Bäckereien in Thüringen GmbH mit den Initiatoren Tobias Helbing aus Leinefelde-Worbis und Daniel Nahrstedt aus Meinigen zu zollen, die die Ärmel hochkrempelten und wenigstens 57 Frischback-Filialen inklusive der dort Beschäftigten übernahmen – mindestens 200 Leute. «Wenigstens» und «mindestens», weil derzeit nicht klar ist, ob die ARGE vielleicht noch mehr Filialen und Mitarbeitende übernehmen will.

Die ARGE suche sich nur die Filetstücke heraus, was mit den anderen Läden passiere, sei unklar – darf sich Sprecher Jens Löbel von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) lang und breit gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) vom 24. Juni echauffieren – den Zusammenhang zwischen Rentabilität und Zukunftsfähigkeit gänzlich außer acht lassend. Der Autor des MDR-Beitrags ritzt in die gleiche Kerbe. Originalton: «Nach Angaben des Sprechers des Insolvenzverwalters sollen … etwa 250 frühere Frischback-Mitarbeiter direkt übernommen werden. Vor gut einem Monat war von rund 300 die Rede». Nur zur Erinnerung: Die ARGE hatte sich verpflichtet, 200 Mitarbeitende zu übernehmen. Wenn sie jetzt 250 Leute übernimmt, dann sind das nach Adam Ries 25 Prozent mehr als geplant.

Wie in anderen Regionen auch, sind im Südosten der Republik die Backstuben modern und hoch gerüstet. So attraktiv die meisten Frischback-Filialen auch sein mögen: Daneben besteht kaum Bedarf an Backstuben mit oder ohne Investitionsstau. Es bleiben die Unternehmensteile unverkäuflich, die keinen betriebswirtschaftlichen Nutzen versprechen: darunter 30 möglicherweise unrentable Filialen und eine Produktionsstätte in Arnstadt, die 2004 zwar das gesamte Team von »Kabel 1« ins Staunen versetzte, jetzt aber völlig überdimensioniert ist.

Eine abschließende Erklärung seitens des Insolvenzverwalters zum Regelinsolvenz der Frischback GmbH i.I. ist in etwa einer Woche zu erwarten (Foto: pixabay.com).
 


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